beitrdw  Beitrag 3 (vom 21. bis 28. März)

(von PENS_sekfred 27.03.2009 21:25)

@ Fromm1: Gratuliere, lieber Kollege – Du triffst den Nagel auf den Kopf!

Mündige Lehrpersonen verschaffen sich Gehör!

Wir beklagen eine dramatische Passivität der Lehrerschaft in bildungspolitischen Fragen, die bis zur völligen Absenz reicht. Bedeutende aktuelle Themen, wie HarmoS, Lehrplan21 oder die Frühfremdsprachenproblematik werden zunehmend durch Interessengruppen aus der Wirtschaft, der Parteipolitik oder eben der Bildungsverwaltung besetzt. Die Lehrpersonen stehen allzu oft abseits. Der LCH nimmt sich zwar ebenfalls der Themen an, macht aber seine eigene Politik und beruft sich dann (vereinsrechtlich wohl korrekt) auf die Unterstützung durch die Lehrerschaft.

Das war nicht immer so. Ich erinnere mich an eine selbstbewusste Lehrerschaft bis in die 1990er Jahre. In den Schulhäusern herrschte eine lebendige und offene Debatte. Es gab keine Verunsicherung durch Ängstlichkeit. Meist wurden mutige Leute mit Sachkenntnis in die Vorstände gewählt. Entsprechend erfolgreich waren manche Vorstösse. Im Unterschied zu heute, hatte damals ein Grossteil der Lehrer ein ausgeprägtes bildungspolitisches Bewusstsein. (Meine Beobachtungen reichen bis 1967 zurück)

Zu einer ganzheitlichen Berufsauffassung gehört der 360 Grad Panoramablick in die Schullandschaft: Informiere ich mich vielseitig oder vertraue ich dem Mainstream in der Bildungspolitik? Traue ich mir zu, die Bedeutung von Reformvorhaben schon im Projektstadium hinreichend einzuschätzen? Bin ich gewillt, konsequent und beharrlich, Zeit und Energie für Überzeugungsarbeit im Kollegium aufzuwenden? Bin ich mir der Tatsache bewusst, dass beinahe jede bildungpolitische Neuerung mein „Kerngeschäft“ in beträchtlicher Weise verändert – ob es mir passt oder nicht?

Modulare Ausbildung ersetzt weder Wertmassstäbe noch fördert sie die Ganzheitlichkeit. Die abhanden gekommene Werteorientierung in der Gesellschaft und die Scheu vor einer wertebezogenen Unterstützung der Persönlichkeitsbildung an den PHs sind für mich wesentliche Ursachen für den verbreiteten Egoismus in den heutigen Kollegien.

Mein Hausarzt sagte mir kürzlich: „Wissen Sie, wir Ärzte sind Individualisten, es herrscht wenig Solidarität in standespolitischen Angelegenheiten“. Doch, wie man sieht, konnten sich Ärztinnen und Ärzte immerhin auf gemeinsame Aktionen einigen. Medienwirksam und volksnah: BR Couchepin wird keine Freude haben!

 

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